Schwarzwild in der Hohen Schrecke  © Thomas Stephan

Wald und Jagd

Rund zwei Drittel des Hohe-Schrecke-Waldes sollen langfristig forstlich genutzt werden. Ziel ist ein  besonders naturverträglich bewirtschafteter Dauerwald. Gemeinsam mit der Landesforstverwaltung  und privaten Waldbesitzern wurden hierfür Eckpunkte formuliert. Diese werden schrittweise umgesetzt. Teil der naturgemäßen Waldbewirtschaftung ist eine angepasste Jagd. Hier versucht die Stiftung gemeinsam mit den Jagdpächtern ein revierübergreifendes Wildtiermanagement zu etablieren.

Ein Dauerwald zeichnet sich durch eine große Vielfalt unterschiedlicher  alter Bäume auf einer Fläche aus. Hier sind zu jeder Zeit ausreichend alte Bäume vorhanden, die neben Jungwuchsinseln und mittelalten Bäumen wachsen. Wo früher ganze Schläge mit einem Mal gehauen wurden, werden in einem Dauerwald immer nur einzelne Bäume oder kleine Baumgruppen entnommen. Jeder Quadratmeter Waldbodens ist damit dauerhaft mit Wald bestanden – Kahlschläge kommen nicht mehr vor. Derzeit ist die Hohe Schrecke in weiten Teilen noch von eher monotonen „Hallenwälder“ gleichen Alters (sogenannte Altersklassenwälder) geprägt. Im Naturschutzgroßprojekt soll eine schrittweise Umstellung hin zu einem Dauerwald erfolgen.

Eine Dauerwaldbewirtschaftung ist nicht per se naturnah. Damit es in der Hohen Schrecke möglichst wenige Konflikte zwischen Waldwirtschaft und Naturschutz gibt, haben Waldbesitzer und Naturschützer waldbauliche Eckpunkte entwickelt. Dort ist beispielsweise notiert, dass ältere Laubbäume erst ab November eingeschlagen werden sollen – weil dann im Baum mit Sicherheit keine Fledermaus mehr lebt. Die Umsetzung der waldbaulichen Eckpunkte ist freiwillig. 

 

Die Umstellung vom Altersklassenwald zum Dauerwald und die Umsetzung der waldbaulichen Eckpunkte sind für den Waldbesitzer mit Mehraufwendungen und Mindereinnahmen verbunden. Diese können über Mittel des Naturschutzgroßprojektes entschädigt werden. Um „Mitnahmeeffekte“ auszuschließen, muss sich der Waldbesitzer allerdings langfristig und verbindlich an die jeweilige Maßnahme binden. Um den Entschädigungsprozess so unbürokratisch wie möglich zu gestalten, wird die Zahlung einer pauschalen Entschädigungssumme angestrebt. Im Gegensatz verpflichtet sich der Waldbesitzer zu Einhaltung aller waldbaulichen Eckpunkte.

 

In der Hohen Schrecke werden unterschiedliche Ziele verfolgt. In den Wildnisgebieten soll die Natur, Natur sein dürfen. Eigentlich sollte hier deshalb auch keine Jagd stattfinden. Gleichzeitig soll in der Hohen Schrecke aber auch eine naturnahe Waldbewirtschaftung mit einer hohen Baumartenvielfalt und möglichst ohne (Wild)Zäune erfolgen. Hierfür bedarf es einer konsequenten Bejagung. Im Ergebnis sollte es idealerweise Bereiche geben, in denen intensiv gejagt wird und gleichzeitig auch Wildruhezonen. Ein solches Konzept kann allerdings nur gemeinsam mit den Waldbesitzern und Jagdpächtern umgesetzt werden. Diese haben selbstverständlich auch Eigeninteressen – und die Naturstiftung David kann ihnen keine Vorgaben machen. Im Rahmen des Projektes erfolgt deshalb eine Vernetzung und Abstimmung mit den Jägern und Jagdpächtern. Dabei wird versucht, ein gemeinsam getragenes Wildtiermanagement zu entwickeln – indem beispielsweise revierübergreifende Jagden verabredet werden.

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Maßnahmen im Detail

Dauerwald

Der die Hohe Schrecke prägende Wald aus Bäumen gleichen Alters wird schrittweise in einen Dauerwald umgewandelt. Es werden nur Einzelbäume oder Baumgruppen eingeschlagen – damit langfristig auf jedem Quadratmeter Waldboden jung, mittelalte und alte Bäume zusammenstehen.

Einschlag Laubbäume

Wenn Holz im Herbst einschlagen wird, können sich noch Fledermäuse im Baum befinden. Da dies von außen oft nicht erkennbar ist, soll das starke Laubholz in der Hohen Schrecke erst nach dem 1. November geerntet werden. Dann sind die Fledermäuse mit Sicherheit ausgeflogen.

Erhalt von Habitatbäumen

Alte und knorrige Bäume sollen als Habitatbäume erhalten bleiben und nicht eingeschlagen werden. Auch ausgewählte jüngere Bäume  - sogenannte Habitbaumanwärter – sollen dauerhaft geschützt werden. Angestrebt wird der Schutz von mindesten zehn Bäumen pro Hektar Waldfläche.

Rückegassen

Holzerntemaschinen dürfen im Wald nur bestimmte Schneisen befahren. Der Abstand dieser Rückegassen liegt in der Hohen Schrecke derzeit oft bei 20 Metern. Im Projekt soll er auf 40 Meter erweitert werden. Damit vergrößert sich die Fläche auf denen Bäume wachsen können.

Pferderückung

Die Vorrückung (Holztransport aus dem Bestand an die Rückegasse oder den Waldweg) soll zukünftig möglichst oft mit Pferden erfolgen. Damit wird der Waldboden geschont. Bei besonders schweren Stämmen ist eine Pferderückung aus Tierschutzgründen allerdings nicht möglich.

Abtransport Holzpolter

Die geernteten Baumstämme werden zum Abtransport am Wegesrand gelagert. Die Wildkatze nutzt diese Holzpolter gerne als Versteck für die Aufzucht des Nachwuchses. Damit nicht versehentlich Wildkatzen getötet werden, soll der Abtransport des Holzes im April und Mai ruhen.

Naturverjüngung

Neue Bäume sollen möglichst nicht gepflanzt sondern sich auf natürlichem Wege ansiedeln können. Ein wichtiger Helfer ist dabei beispielsweise der Eichelhäher. Er versteckt gerne gefundene Eicheln und „vergisst“ diese dann oft. Daraus entstehen dann die „Häher-Eichen“.

Jagd

Um auch eine natürliche Besiedlung von weniger häufigeren Baumarten zu ermöglichen, muss der Wildverbiss reduziert werden. Deshalb ist in einigen Bereichen des Wirtschaftswaldes eine intensive Bejagung erforderlich. Diese soll sich jedoch in ein Gesamtkonzept einpassen.

Waldbauliche Eckpunkte

Naturschützer und Waldbesitzer haben in den Jahren 2011 und 2012 gemeinsam Eckpunkte für eine naturgemäße Waldbewirtschaftung der Hohen Schrecke erarbeitet. Die waldbaulichen Eckpunkte werden derzeit auf rund 1.500 Hektar Wald umgesetzt.

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