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Naturschutzrelevante Militärflächen

Auf den ersten Blick scheinen sich Militärbetrieb und Naturschutz auszuschließen, doch dieser Eindruck täuscht: Gerade Militärflächen sind oftmals bedeutende Naturrefugien in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft. Sie zeichnen sich häufig durch ihre Großflächigkeit, Störungsarmut, Unzerschnittenheit sowie Nährstoffarmut aus. Wird die militärische Nutzung der Flächen aufgegeben, besteht die Gefahr der Privatisierung und damit des Verlustes wertvoller Naturschutzflächen. Die Naturstiftung David engagiert sich daher seit vielen Jahren für die Sicherung der wertvollsten ehemaligen Militärflächen – vor allem im Rahmen des Nationalen Naturerbes.

Ehemalige und aktiv genutzte Militärflächen stellen für viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten wichtige Rückzugsräume dar und besitzen damit eine wichtige Funktion für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Aufgrund ihrer Großflächigkeit besitzen die Gebiete ein hohes Potenzial für eine weiträumige, relativ störungsarme Naturentwicklung. Die meisten Flächen wurden zudem über viele Jahrzehnte militärisch genutzt. Sie blieben damit über lange Zeiträume von Zerschneidung, Zersiedlung, landwirtschaftlicher Nutzung sowie Besucherdruck verschont. Dadurch entstanden weitgehend zusammenhängende und unzerschnittene Flächen. Besonders Arten, die für den Erhalt ihrer Population große Flächen benötigen, wie z. B. die Wildkatze, profitieren hiervon.
Daneben wirkt sich auch der militärische Übungsbetrieb oftmals positiv auf die Biotop- und Artenvielfalt aus. So wurden bzw. werden im Rahmen der militärischen Nutzung wertvolle Offenlandflächen, wie Heidegebiete oder Sandmagerrasen, erhalten sowie die Strukturvielfalt der Gebiete z. B. durch Panzerspuren erhöht. In der Regel umgibt zudem ein Wald-Gürtel die stärker genutzten Kernbereiche der Übungsplätze.
Aufgrund ihrer großen Bedeutung für den Naturschutz wurden viele Flächen ganz oder teilweise als Naturschutzgebiete, Nationalparke, Biosphärenreservate und/oder Natura 2000-Gebiete ausgewiesen bzw. gemeldet.

Deutschlandweit gibt es rund 685.000 Hektar naturschutzrelevante Militärflächen – verteilt auf rund 630 Liegenschaften. Viele der Flächen besitzen einen enormen Flächenumfang von mehreren 10.000 Hektar, wie z. B. die Truppenübungsplätze Altmark in Sachsen-Anhalt mit rund 23.000 Hektar oder Grafenwöhr in Bayern mit rund 22.800 Hektar. Aber auch kleinflächige Militärflächen können wegen ihrer besonderen Naturaustattung eine große Bedeutung für den Naturschutz besitzen.

Die militärische Nutzung wurde in den vergangenen Jahren auf rund 430 Flächen (ca. 380.000 ha) aufgegeben. Besonders in den neuen Bundesländern wurden Anfang der 1990er Jahre sehr viele Flächen aus der militärischen Nutzung entlassen, da sie nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung nicht mehr benötigt wurden. Aber auch in den darauffolgenden Jahren wurde die Nutzung zahlreicher weiterer Militärlächen aufgegeben. Ein Schwerpunkt stellte dabei die Bundeswehrstrukturreform des Jahres 2001 dar, ein weiterer die im Jahr 2011 bekannt gegebene Neuausrichtung der Bundeswehr.

Die Naturstiftung David recherchiert bereits seit dem Jahr 2002 Informationen zu naturschutzrelevanten Militärflächen in Deutschland und dokumentiert diese in der Datenbank Naturschutz & Militär.

Der überwiegende Teil der aktiven Militärflächen wird von der Bundeswehr genutzt. Ein Teil der Flächen in den Bundesländern Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz wird auch von der US-Army sowie in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen von der Britischen Armee beübt. Im Zuge von Umstrukturierungen haben die amerikanischen Streitkräfte in den vergangenen Jahren einige Militärflächen, wie z. B. die in Bayern gelegenen Standortübungsplätze Brönnhof und Bamberg aufgegeben. Andere Flächen, wie z. B. die Truppenübungsplätze Baumholder in Rheinland-Pfalz und Grafenwöhr in Bayern sollen langfristig weiter beübt werden. Im Gegensatz zu der US-Army planen die britischen Streitkräfte ihrem Komplettabzug aus Deutschland bis zum Jahr 2020. Einige Flächen, wie z. B. Haltern-Borkenberg und Haltern-Geißheide in Nordrhein-Westfalen wurden bereits freigezogen. Die anderen alliierten Streitkräfte (Sowjetunion/GUS, Frankreich, Belgien) haben ihre Übungsplätze in Deutschland schon vor längerem aufgegeben.

In Deutschland besitzen alle Streitkräfte ein umfassendes Umwelt- und Naturschutzmanagement auf ihren Übungsplätzen. Für die Berücksichtigung der Naturschutzbelange gibt es auf jedem Übungsplatz Geländebetreuer. Bei den Bundeswehr-Übungsplätzen werden die Wald- und Forstflächen vom Bundesforst betreut. Bundeswehr und Bundesforst sind bei ihren Aktivitäten an die „Richtlinie zur nachhaltigen Nutzung von Übungsplätzen in Deutschland“ gebunden, diese sieht die nachhaltige und naturverträgliche Bewirtschaftung der Militärflächen vor. In den sogenannten Benutzungs- und Bodenbedeckungsplänen ("BB-Pläne") werden die Ansprüche des Naturschutzes und der militärischen Nutzung abgeglichen. Die Naturschutzstrategien werden zudem mit den jeweiligen Naturschutzbehörden der Bundesländer abgestimmt. Zur Umsetzung der FFH-Richtlinie auf den genutzten Militärflächen gibt es Kooperationsvereinbarungen zwischen den einzelnen Bundesländern, den Streitkräften und dem Bundesforst.

Wird eine Militärfläche der Bundeswehr für den Übungsbetrieb nicht mehr benötigt, wird diese von der Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben. Flächen, die von den allierten Streitkräften beübt werden, befinden sich bereits im Eigentum der BImA. Die BImA führt eine Entbehrlichkeitsprüfung durch, bei der geklärt wird, ob die entsprechende Liegenschaft in absehbarer Zeit für andere Aufgaben des Bundes benötigt wird. Ist dies nicht der Fall, muss die Fläche verkauft werden. Da bereits seit der 1990er Jahre Militärflächen freigegeben wurden und der Naturschutz verfassungsrechtlich keine Bundesaufgabe ist, drohte in der Vergangenheit die Privatisierung vieler naturschutzfachlich wertvoller Militärflächen. Dies führte häufig zu Konflikten mit dem Naturschutz, da die Nutzungsinteressen der Käufer, wie z. B. der Holzeinschlag oder die Errichtung von Erneuerbare-Energien-Anlagen, wertvolle Naturgebiete zu beeinträchtigen drohten. Die Naturschutzverbände haben daher bereits Ende der 1990er Jahre auf die Problematik der Privatisierung von naturschutzfachlich wertvollen Militärflächen hingewiesen und sich für die Sicherung der wertvollsten Flächen für den Naturschutz eingesetzt.

Mehrere Tausend Hektar ehemaliger Militärflächen konnten seit 1990 durch die Bundesländer und von Naturschutzorganisationen erworben und damit langfristig erhalten werden. Hierunter z. B. auch der 1997 gegründete Nationalpark Hainich in Thüringen, welcher aus den ehemaligen Truppenübungsplätzen Kindel und Weberstedt hervorgegangen ist.
Ein Meilenstein bei der Sicherung naturschutzrelevanter Militärflächen waren die Beschlüsse der Bundesregierung aus den Jahren 2005 und 2009, wonach bis zu 125.000 Hektar national bedeutsame Naturschutzflächen von der Privatisierung ausgenommen und dem Naturschutz als 1. und 2. Tranche Nationales Naturerbe unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden. Diese Summe beinhaltete auch rund 87.000 Hektar ehemalige Militärflächen.
Die Sicherung weiterer mindestens 30.000 Hektar naturschutzrelevanter Militärflächen als 3. Tranche Nationales Naturerbe wurde im Kooalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD vom November 2013 beschlossen. Insgesamt zählen damit mehr als 117.000 Hektar naturschutzrelevante, ehemalige Militärflächen zum Nationalen Naturerbe.

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„Broschüre „Naturschutz & Militär“: Naturschutz und Truppenübungsplätze – wie scheinbare Gegensätze zusammenpassen und wie die Naturstiftung David sich in diesem Bereich engagiert.

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Naturschutzfachliche Bedeutung aktuell freiwerdender Militärflächen für die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie

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Naturschutzfachliche Analyse und Strategieentwicklung für potenzielle Konversionsflächen

Projektbericht (2013) PDF downloaden (3 MB)

Militär und Naturschutz

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