Eingebrachter Totholzstamm  © Naturstiftung David

Totes Holz schafft Leben

Ein Bach ist natürlicherweise sehr reich an Totholz. Als Totholz bezeichnet man abgestorbene, herunter­gefallene Äste, Reisig oder ganze Baumstämme. An vielen Bächen wird im Projekt gezielt solches Totholz in den Bach eingebracht.

Totes Holz bildet die Nahrungsgrundlage für viele Organismen, die im Bach leben. Außerdem ist es selbst Lebensraum für zahlreiche Arten und sorgt für einen sehr abwechslungsreichen Bach. Stammstücke oder Wurzelteller lassen tiefe und flache, breite und schmale, langsame und sehr schnell durchflossene Bereiche im Bach entstehen. Diese große Vielfalt ist sehr wichtig, um den unterschiedlichsten Ansprüchen verschiedenster Lebewesen des Baches gerecht zu werden.

Viel Totholz sorgt dafür, dass das Wasser im Bach ins­gesamt langsamer abfließt. Das ist eine Möglichkeit Hochwasser schon bei der Entstehung zu reduzieren bzw. bei groß­flä­chiger Anwendung sogar zu verhindern. Ansammlungen aus größeren Stücken und feinen Ästen halten außerdem das Geschiebe zurück. Das heißt, Blätter, kleine Äste und der bei Hochwasser in Bewegung geratende Bachgrund aus Sand, Kies und Geröll werden abgefangen und weitgehend festgehalten.

Meist werden Stammabschnitte in den Bach eingebracht, deren Holz sich wegen des Pilzbefalls mit Rotfäule anders kaum sinnvoll verwenden lässt.  Auch Wurzelteller sind gut geeignet. Optimal ist ein Abstand von 10 bis 20 m zwischen dem Starktotholz. Zum nächsten Wegedurchlass ist ein Sicherheitsabstand von 25 bis 50 m einzuhalten.

Meist werden die Stammstücke und Wurzelteller von einem forstlichen Dienstleister mit Rückepferd in den Bach gezogen. Das ist besonders boden- und gewässerschonend. Gelegentlich kommt auch schweres Forstgerät zum Einsatz, wenn es sich wegen der forstwirtschaftlichen Holzernte ohnehin vor Ort befindet und ein Rückeweg nahe am Bach verläuft.

Totholz im Bach ist für Makrozoobenthos (Kleinlebewesen) keine ökologische Barriere, da es immer irgendwo umflossen oder unterflossen wird und die durchströmte Bachsohle – das Interstitial – nicht unterbrochen wird. Für Fische ist eine gewisse Störwirkung nicht ausgeschlossen, allerdings wirkt diese nur zeitweise bzw. bei bestimmten Abflussmengen und stellt eigentlich einen natürlichen Zustand dar. Die von uns mit Totholz angereicherten Gewässerabschnitte liegen meist bereits außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes von Fischen (zu klein, zu flach, zu wenig Wasser).

Die eingebrachten Totholzstücke werden verankert oder haben ein so großes Eigengewicht, dass sie nicht abgeschwemmt werden können und somit keine Schäden im Gewässer oder in Bereichen stromabwärts entstehen. Wenn das eingebrachte Totholz im Quellbach bei einem Durchmesser von 20 cm mindestens einen Meter lang ist, wird es kaum verdriftet. Erfahrungen zeigen, dass Totholz, das dem Wasserdruck nicht standhält, sich mit der Längsseite in die Fließrichtung dreht, am Bachrand abgelagert und teilweise eingeschwemmt wird. In der Forellenregion oder noch größeren Bächen muss das Totholz deutlich größer sein und verankert werden. Auch Wurzelteller sind eine prima Rückhaltevorrichtung.

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Wirkungen der Maßnahmen im Detail

Stillwasserbereich

Im Staubereich hinter einem Starktotholzstück bilden sich häufig Bereiche mit geringer Fließgeschwindigkeit. In solchen Stillwassern können die Feuersalamander-Larven selbst in steilen Quellbächen heranwachsen, ohne von der Strömung verdriftet zu werden.

Strukturvielfalt

Starktotholz sorgt für Vielfalt bei Breite, Tiefe und Fließgeschwindigkeit im Bach. Als Folge davon entsteht ein abwechslungsreiches Nebeneinander von grobem und feinem Geschiebe aus Steinen und Pflanzenteilen: viele ökologische Nischen für eine Vielzahl an Arten.

Seitenbach

An geeigenten Stellen kann Starktotholz die Bildung von Seiten- und Nebenbächen anregen. Solche Nebenbäche sind selbst an größeren und von Fischen besiedelten Gewässern (nahezu) fischfrei, so dass sich hier Feuersalamander-Larven entwickeln können.

Abflussbremse

Eine größere Zahl von Starktotholz im Bach führt zu einer Reduzierung der durchschnittlichen Fließgeschwindigkeit. Das Wasser wird abgebremst und wird selbst bei Starkregen länger im Wald zurück gehalten. Das kommt den Anliegern im Unterlauf zu Gute.

Treibgutfänger

An großem, lagestabilem Starktotholz fängt sich kleineres Treibgut, das im Oberlauf bei Hochwasser und Starkregen von den Bächen mitgerissen wurde. Das Treibgut wird dadurch nicht bis in die nächste Ortschaft mitgerissen, sondern bleibt im Wald und bietet dort Lebensraum für spezialisierte Pflanzen, Tiere und Pilze.

Wasserführung

Viele kleine Bäche neigen zum Austrocknen im Sommerhalbjahr. In den Kolken, die sich an Starktotholz bilden, bleibt das Wasser deutlich länger stehen. Ein Sommergewitter füllt den Kolk wieder auf. So können viele Gewässertiere auch an solchen Bächen überleben.


Sicherung gegen Verdriftung im Detail

Durch Größe

Große Stammabschnitte sind schwer und werden von kleinen Quellbächen auch bei Hochwasser nicht mitgerissen. 

Durch Wuchsform

Gekrümmte, verzeigte oder anderweitig unförmige Stammstücke kommen gar nicht erst ins Rollen oder bleiben gleich wieder irgendwo hängen.

Hinter Steinen

Totholz lässt sich auch hinter oder zwischen großen Steinen verankern. Es wird dann bei Hochwasser eher umflossen als mitgerissen.

Hinter Uferbäumen und Wurzeln

Zwischen Wurzeln oder den Stämmen von Uferbäumen eingeklemmtes Totholz wird bei Hochwasser überströmt oder umflossen.

Mit Wurzeltellern

Wurzelteller sind aufgrund ihres Gewichtes und ihrer Unförmigkeit besonders lagestabil und können als Treibgutfänger dienen.

Die Maßnahmen im Detail: Interaktive Karten

Alle Maßnahmen in den Projektgebieten sind in interaktiven Karten verortet und beschrieben.

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