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Energiewende und naturschutzrelevante Militärflächen

Die Naturstiftung David hat von April 2013 bis Februar 2016 umfangreiche Recherchen zur Nutzung von naturschutzrelevanten Militärflächen für Erneuerbare-Energien-Anlagen durchgeführt. Zu diesem Zweck wurde die bestehende Online-Datenbank „Naturschutz und Militär“ um den Bereich „Erneuerbare Energien“ erweitert. Alle in der Datenbank erfassten 630 Militärflächen wurden hinsichtlich ihrer Nutzung für Erneuerbare Energien überprüft. Die Recherchen schlossen auch mögliche Konflikte und Synergieeffekte zwischen Naturschutz und Erneuerbare-Energien-Anlagen sowie ergänzende naturschutzfachliche Informationen zu den betreffenden Flächen mit ein.

Ehemalige und aktiv genutzte Militärflächen zeichnen sich u. a. wegen ihrer Großflächigkeit und Störungsarmut häufig durch einen hohen Naturschutzwert aus. Sie stellen für viele seltene und gefährdete Tier‐ und Pflanzenarten wichtige Rückzugsräume dar und besitzen damit eine wichtige Funktion für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Viele Flächen wurden ganz oder teilweise als Naturschutzgebiete, Nationalparke, Biosphärenreservate und/oder Natura 2000‐Gebiete ausgewiesen bzw. gemeldet. Mit der Energiewende und den damit verbundenen Förderungsmöglichkeiten für Erneuerbare Energien sind (ehemalige) Militärflächen in den vergangenen Jahren verstärkt für die Errichtung von Wind- und Solarparks (Photovoltaik‐Freiflächenanlagen) herangezogen worden. Im Rahmen des Projektes sollte daher untersucht werden, wie viele naturschutzrelevante Militärflächen für Erneuerbare-Energien-Anlagen genutzt werden und ob der Naturschutzwert der Flächen (Arten, Biotope) durch die Anlagen beeinflusst wird. Gleichzeitig sollte anhand der Recherche von Monitoring-Berichten Optimierungsmöglichkeiten für die Nutzung von naturschutzrelevanten Militärflächen für Erneuerbare-Energien-Anlagen ermittelt werden.

Im Rahmen des Projektes wurden alle 630 in der Datenbank „Naturschutz und Militär“ erfassten naturschutzrelevanten Militärflächen hinsichtlich einer Nutzung für Erneuerbare-Energien-Anlagen überprüft. Dabei wurden 64 Flächen identifiziert, auf denen eine entsprechende-Nutzung erfolgt (Stand Mai 2016). Es handelt sich dabei bis auf wenige Ausnahmen um Konversionsflächen, d. h. sie werden nicht mehr militärisch genutzt. Im Einzelnen wurden recherchiert:

  • 50 Flächen mit einem oder mehreren Solarparks,
  • zwei Flächen mit Photovoltaik-Anlagen auf Dachflächen,
  • sieben Flächen mit einem oder mehreren Windparks,
  • acht Flächen mit einer Nutzung von holziger Biomasse,
  • fünf Flächen mit Biogasanlagen,
  • zwei Flächen mit Energie-Speichern,
  • sowie eine Fläche mit einem Pelletwerk.

Teilweise wurden bzw. werden auf den Flächen mehrere Energieträger genutzt bzw. befinden sich unterschiedliche Anlagenarten.

Darüber hinaus waren auf weiteren 17 Militärflächen Erneuerbare-Energien-Anlagen geplant (Stand Mai 2016). Auf einem Teil dieser Flächen befinden sich bereits realisierte Anlagen.

Bei dem größten Teil der Erneuerbaren-Energien-Anlagen auf naturschutzrelevanten Militärflächen handelt es sich um Solarparks. Die installierte Leistung der Anlagen auf den Flächen variiert stark und reicht von 0,3 bis 145 MWp. Die gesamte installierte Leistung aller Solarparks auf naturschutzrelevanten Militärflächen beträgt mindestens 1.320 MWp (Stand Mai 2016).

Die installierte Leistung der Windparks liegt zwischen 12 MW und 117 MW und beträgt insgesamt mindestens 253 MW (Stand Mai 2016).

Eine Angabe zur energetischen Leistung der holzigen Biomasse auf naturschutzrelevanten Militärflächen ist nicht möglich.

Neben kleineren Konflikten, wie z. B. der kleinflächigen Abholzungen von Gehölzgruppen und dem damit verbundenen Verlust von Lebensräumen wurden in einigen Fällen auch größere Konflikte festgestellt. Beispiele hierfür sind die Errichtung eines Solarparks innerhalb eines FFH-Gebietes auf der Fläche Ebern (Bayern), ein Betrugsverdacht im Zusammenhang mit der Anerkennung der Fläche Homberg-Efze (Hessen) als Konversionsfläche nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder Störungen einer Waldschnepfen-Population auf der Fläche Simmersfeld (Baden-Württemberg) durch die Errichtung eines Windparks. Eine Verifizierung und Bewertung der Konflikte war allerdings im Rahmen des Projektes nicht möglich, da hierzu eine aufwändige Recherche und Anhörung aller Interessensgruppen nötig gewesen wäre.

Die Installation der Solar- und Windparks war in vielen Fällen (mind. 20 Flächen) mit der Beräumung von Munitionsresten/Altlasten auf Teilflächen oder dem Rückbau von Gebäuden verbunden. In einigen Fällen wurde erst durch die Munitionsberäumung die Pflege geschützter Offenlandlebensräume ermöglicht. Ein bekanntes Beispiel ist der ehemalige Truppenübungsplatz Lieberose. Das Land Brandenburg hat hier rund 300 Hektar Fläche innerhalb des SPA-Gebietes für die Errichtung von zwei Solarparks verpachtet. Durch eine Einmalzahlung und die jährliche Pacht konnte die Kampfmittelräumung und Altlastensanierung auf rund 400 Hektar finanziert werden.

Weitere Synergien gab es im Bereich der holzigen Biomasse. So stand bei sechs der acht Flächen, bei denen eine Nutzung von holziger Biomasse recherchiert wurde, der Naturschutz im Vordergrund. Alle diese Flächen besitzen einen hohen Naturschutzwert. Mit den durchgeführten Pflegemaßnahmen wurden wertvolle Offenlandlebensräume auf den Flächen gefördert. Die entnommenen Gehölze wurden der energetischen Nutzung (Hackschnitzel) zugeführt.

Im Zuge der Errichtung von Solar- oder Windparks wurden bzw. werden in vielen Fällen naturschutzfachliche Monitorings erstellt. Ziel des Projektes war es daher auch, die betreffenden Monitoring-Berichte zu recherchieren. Dies war jedoch nur in wenigen Fällen möglich. Grund war, dass die Monitorings in der Regel von den Anlage-Betreibern finanziert werden und sich die Berichte damit in deren Eigentum befinden. Da jedoch nur wenige Betreiber bereit waren, die Monitoring-Berichte zur Verfügung zu stellen, konnten diese nur für drei Flächen mit Solarparks und eine Fläche mit Windparks bezogen werden. Allerdings konnte im Rahmen des Projektes für sehr viele Flächen recherchiert werden, ob überhaupt Monitorings erstellt werden bzw. wurden. Dies ist für mindestens 27 Flächen mit Solarparks und zwei Flächen mit Windparks der Fall.

Kontakt

Katharina Kuhlmey Telefon: +49 361 55503-37 Mail schreiben

Datenbank „Naturschutz und Militär“

Die Datenbank „Naturschutz und Militär“ steht zweisprachig (deutsch/englisch) als Online-Datenbank zur Verfügung. Für die Lagedarstellung der einzelnen Militärflächen ist eine Verknüpfung mit Google Maps implementiert. Die Datenbank wird fortlaufend aktualisiert. Die Vollversion kann erst nach Registrierung genutzt werden.

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Naturschutzrelevante Militärflächen und Erneuerbare Energien

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Unsere Förderer und Partner

Das Projekt „Naturschutzrelevante Militärflächen und Erneuerbare Energien“ wurde gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) aus Mitteln des Bundesumweltministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).